Eigentlich sollte das 80-jährige Bestehen des Kissinger SC ein Anlass zur Freude sein. Doch die Feierlichkeiten werden von ernsten Sorgen überschattet. Der Traditionsverein befindet sich derzeit in schwierigen Vertragsverhandlungen mit der Gemeinde über die künftige Nutzung der Tribünenanlage sowie weiterer Räumlichkeiten.
Dass Verträge nach jahrzehntelanger Nutzung angepasst oder erneuert werden müssen, stellt der Verein nicht infrage. Entscheidend sei jedoch, dass auch neue Vereinbarungen dem ehrenamtlich geführten Sportverein weiterhin ermöglichen, seine Arbeit verantwortungsvoll auszuüben und das Sportangebot aufrechtzuerhalten – ohne die Mitgliedsbeiträge erneut erhöhen zu müssen.
Der von der Gemeinde vorgelegte Vertragsentwurf für die Tribünenanlage sieht nach Angaben des Vereins eine Kostensteigerung von rund 120 fache vor. Zusätzlich enthalte der Entwurf eine umfangreiche Liste an Verpflichtungen, die im Rahmen ehrenamtlicher Strukturen weder finanziell noch organisatorisch leistbar seien. Ein vom Verein beauftragter, auf Vereinsrecht spezialisierter Fachanwalt rate daher von einer Unterzeichnung des Vertrags in der vorliegenden Form ab.
„Im Vorstand gibt es eine klare Haltung zur aktuell vorgesehenen Jahresmiete“, erklärt die Vorsitzende Marion Lang. „Wir sind weder Gewerbetreibende noch ein gewinnorientiertes Unternehmen, das sich solche Summen und Verpflichtungen leisten kann.“
Auch bei weiteren bislang von der Gemeinde angemieteten Räumlichkeiten – darunter die Paartalhalle und der Paartalhallenanbau – rechnet der Verein mit neuen Forderungen. Sämtliche bestehenden Verträge wurden zum Jahresende 2026 gekündigt. Sollten die zu erwartenden finanziellen und organisatorischen Auflagen in vergleichbarer Form ausfallen, befürchtet der Verein gravierende Folgen. Die Umsetzung wäre nach eigenen Angaben weder finanziell noch personell im Ehrenamt zu stemmen und stünde zudem im Widerspruch zur Vereinssatzung.
Bereits in den vergangenen Jahren sah sich der Verein gezwungen, die Mitgliedsbeiträge anzuheben. Gründe waren unter anderem gestiegene Nebenkosten, finanzielle Folgen von Unwetterereignissen sowie der Abschluss neuer Versicherungen gegen entsprechende Schäden. Die Beitragserhöhung habe jedoch auch zu Mitgliederverlusten geführt. Hinzu kommen weiterhin die finanziellen Belastungen durch einen zurückliegenden Brandschaden.
Dennoch betont die Vereinsführung ihren Gesprächswillen. „Wir wollen keinen Konflikt mit der Gemeinde. Wir sind dankbar für die Nutzung dieser wichtigen sportlichen Flächen, brauchen jedoch einen verlässlichen Partner“, so Lang. Der Verein sehe sich in der Verantwortung, mit den Beiträgen der Mitglieder sorgsam umzugehen und Vereinsleben für alle Bürger finanziell zugänglich zu halten. Dieses stehe nicht nur für die Förderung der Gesundheit, sondern auch für sozialen Zusammenhalt und gesellschaftliche Stabilität – Werte, die in der heutigen Zeit wichtiger seien denn je.
Wie es weitergeht, ist offen. Der Verein sucht weiterhin das Gespräch mit der Gemeinde und hofft auf eine tragfähige Lösung im Sinne der Kissinger Bürgerinnen und Bürger. Für die Fußballabteilung wird zudem eine Zwischenlösung angestrebt, da die Tribünenanlage laut Gemeinde erst nach Unterzeichnung eines neuen Vertrags wieder zugänglich gemacht werden soll.
Eine schnelle Entscheidung ist jedoch kaum möglich. Zunächst müsse der Verein vollständige Kenntnis über sämtliche neuen Vertragsinhalte erhalten, um eine verlässliche Finanz- und Haushaltsplanung erstellen zu können. Diese werde den Mitgliedern vorgestellt. Über die Annahme der Verträge sowie eine gegebenenfalls notwendige Beitragserhöhung entscheidet satzungsgemäß die Mitgliederversammlung.
So bleibt die Hoffnung, dass das 80-jährige Jubiläumsfest im Juli ein echtes Fest der Gemeinschaft wird – und nicht zugleich ein Abschied von einem der prägenden Sportvereine der Region.